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Wenn man sich selbst und das Absolute durch Verneinung (Negation) definiert, kommt man nicht über den negativen Pol der
Wahrheit hinaus und bleibt in Halbwahrheiten hängen. Die gesamte („absolute“) Wahrheit kann nicht aus eigener Kraft erkannt werden, sondern nur dann, wenn das Absolute (Gott) sich selbst offenbart.
Das Annehmen dieser Offenbarung setzt Glauben und Liebe zu Gott voraus, wovo die Asuras (Dämonen) sich aufgrund ihrer gottabgewandten Gesinnung jedoch von vorneherien abgeschnitten haben, weshalb sie im Teufelskreis ihrer Halbwahrheiten gefangen bleiben – bis sie sich von ihrer Asura-Gesinnung befreien und über ihren eigenen Schatten springen.
Das Licht erkennt man nicht, indem man einfach sagt: „Licht ist nicht Schatten und nicht Dunkelheit.“ Wenn jemand
solchermaßen von Licht spricht, hat das keine wirkliche Bedeutung, weil er keine positive, praktische Erfahrung von Licht hat. Genauso verhält es sich mit den Asuras. Es ist durchaus möglich, daß auch
sie von „Gott“ sprechen; aber das Höchste, das sie kennen, ist nur das durch Verneinung definierte Immaterielle: die abstrakte, nicht-polare Einheit, das Nichts
(Brahman bw. Nirwana). Für sie ist Gott nichts anderes als diese undifferenzierte Einheit, jedes Individuum sei Teil dieser Einheit, und weil in dieser Einheit keine Dualität existierte, sei auch der Unterschied von Teil und Ganzem nicht vorhanden; letztlich sei alles eins; in Wirklichkeit seien wir alle „Gott“.
Wenn diese Philosophie die gesamte Wahrheit wäre – wovon die Asuras überzeugt sind -, dann würde dies bedeuten, daß Gott, das
Absolute, nichts anderes wäre als eine abstrakte und unterschiedslose Einheit. Wenn der Unterschied von Teil und Ganzem nicht vorhanden wäre, gäbe es in Wirklichkeit auch keine Individualität, keine
Liebe und keine Verantwortung. Verantwortung, Liebe und Individualität wären lediglich Teil der materiellen Illusion.
Zu diesem Trugschluß gelangen die Asuras, weil sie die Individualität für etwas Materielles halten!
Sie meinen, Individualität sei ein Produkt der Dualität.
Für die Asuras ist nicht Liebe und nicht Verantwortung die höchste Wahrheit, sondern die Notwendigkeit.
Die vedische Gottesoffenbarung bestätigt, daß letztlich alles Brahman ist. Brahman bedeutet nichts anderes als „Energie
Gottes“. Sarvam hy etad brahma: „Alles ist letztlich Brahman“ (Mandukya Upanisad 2). Hier liegt der entscheidende Denkfehler in der Alles-ist-eins-Philosophie der Asuras, denn „alles ist
Brahman“ bedeutet nicht „alles ist eins“. Obwohl die spirituelle Realität (Brahman) von aller materiellen Dualität frei ist, ist sie nicht abstrakt und leer. Im Gegenteil:
Jenseits der relativen Dualität ist die absolute Indivi-dualität, die unendliche Vielfalt Gottes. „Alles ist Brahman“ bedeutet, daß alles der Qualität (Eigenschaft) nach eins ist, denn alles ist eine
Energie Gottes und gehört zur Einheit Gottes (Einheit im Sinn von Gesamtheit). Doch diese absolute Einheit ist nicht unterschiedslos eins, denn sonst wäre sie nicht vollkommen, da ihr etwas fehlen würde,
nämlich die Vielfalt. Viefalt in der Einheit, Einheit in der Vielfalt – das ist die absolute Wahrheit, im Gegensatz zu den Halbwahrheiten, die immer nur einen relativen Aspekt der Gesamtheit
herausgreifen.
Mit anderen Worten: Der Aspekt der Einheit bezieht sich auf die Qualität, der Aspekt der Vielfalt und Verschiedenheit bezieht
sich auf die Individualität. Obwohl der beschränkte menschliche Verstand nicht fähig ist, die gleichzeitige (=ewige) absolute Einheit und Vielfalt der spirituellen Realtität konkret zu begreifen, ist das
Konzept der Qualität und Individualität genügend, um auch im logischen Sinn ein befriedigendes und vollständiges Verständnis der spirituellen Realität zu bekommen. Mit Hilfe des Verständnisses
der gleichzeitigen Einheit und Vielfalt wird es leicht, alle Formen von Halbwahrheiten zu erkennen.
Teil der absoluten Vielfalt sind die ewigen Individuen, die als Teile eine ewige Beziehung zum Ganzen haben. Weil das Ganze
(Gott, das Höchste Wesen) absolut frei und unabhängig ist, finden sich diese Eigenschaften auch in den Teilen, jedoch in einem teilhaftigen, begrenzten Ausmaß, nämlich in Form des freien Willens. Der
freie Wille ist der Schlüssel, um Dualität und Individualität zu verstehen. Dualität ist das ewige Prinzip der materiellen Welt, Individualität ist das ewige Prinzip der spirituellen Welt.
Die Asura-Philosophien spiegeln die extremen Formen des Neides auf Gott: „Wenn ich nicht Gott sein kann, soll niemand
Gott sein, oder alle sollen Gott sein.“
Der Nihilismus
an sich ist ein Konzept, das weit über die Asura-Interpretation hinausgeht, und kann auch eine Vorstufe der spirituellen Entwicklung sein, nämlich eine Form der Loslösung von der Materie durch Verneinung der Materie. Der Leitsatz des Nihilismus lautet:
„Alles ist nichts.“ Ein Beispiel hierfür sind die atheistischen Formen des Buddhismus, die den Begriff des Nirwana
als das „absolute Nichts“ definieren. Auch hier gilt: Nicht alle Nihilisten sind Asuras, denn diese verwenden den Nihilismus, um ihre eigenmächtigen Handlungen zu rechtfertigen. Wenn die Asuras vom Monismus (Advaita, Nirvisesa – unterschiedslose Einheit) oder Nihilismus (Sunyavada) sprechen, dann beziehen sie sich auf dieselbe Halbwahrheit, denn nur dort, wo alles nichts ist, ist alles eins. Im Sanskrit werden diese Halbwahrheiten unter dem Begriff
Mayavada zusammengefaßt: „die Maya-Lehre“, d.h. die Lehre (vada), die behauptet, Individualität sei Illusion (maya).
Buddha selbst lehrte keinen Nihilismus, genauso wie auch Jesus nie jene Dogmen lehrte, die später von der christilichen Kirche in seinem Namen aufgestellt wurden. Buddha offenbarte einen
Befreiungsweg aus der Dualität, ohne jedoch zu sagen, was man erreicht, wenn man tatsächlich aus der Dualität herausgelangt. Diese Offenbarung überließ er – gemäß Ort, Zeit und Umständen –
späteren Gottgesandten und Avataras.
Positive Mentalität: Erkennen und anerkennen der eigenen Abhängigkeit; leben in Harmonie mit den höheren göttlichen Instanzen (Devas), um innerhalb der materiellen Welt in Frieden leben zu können; deshalb beträchtliche Freiheit von Neid auf andere, die mehr genießen oder mehr besitzen; Potential, spirituelle Ziele zu verstehen.
Negative Mentalität: Wunsch, unabhängig und eigenwillig zu leben; deshalb Neigung, sich Macht über die Materie zu verschaffen (Hex, hex - “Harry Potter”) um die eigenen Ansprüche durchzusetzen; Neid auf andere, Konkurrenzdenken, Egoismus, Unzufriedenheit, Aggressivität.
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